Geschichte im Netz – Praxis, Chancen, Visionen

Von Wolfgang Schmale

Praxis:
In der heutigen Zeit gesehen ist die wissenschaftliche Nutzung des WWW eine Minderheitengeschichte. Wenn man auf der Suche nach historischen Fakten die üblichen Suchmaschinen benutz, stößt man oft auf Seiten, die von Laien verfasst wurden. Diese Seiten können Liebhabereien zu einer bestimmten historischen Epoche sein, es kann sich dabei aber auch um schulische, heimatkundliche oder kommunale Websites handeln. Nicht alle diese Seiten sind von vornherein abzulehnen. Manche sind sehr gut gestaltet, jedoch gibt es Fälle, wo man sich genauer mit dem Kontext auseinander setzen sollte. Vor allem wenn es sich um versteckte, oft rechtsradikale Inhalte handelt. Ebenfalls müssen auch Websites die sich mit staatlichen Jubiläen beschäftigen, genauer unter die Lupe genommen werden. Denn all zu oft werden gewisse historische Aspekte „ausgelassen“ oder so gut wie gar nicht reflektiert, nur um die staatliche Geschichte in einem besseren Licht darzustellen. Eine wissenschaftliche Auseinandersetzung der Websites mit historischen Inhalten ist somit so gut wie unumgänglich.
In der gegenwärtigen Praxis werden die neuen Medien von den alten Medien beeinflusst und umgekehrt. Wir haben hier zwei verschiedene Teilsysteme, die sich gegenseitig beeinflussen. Die Systemmodifikation, oder auch Remediation genannt, besteht darin, dass einerseits traditionelle Medien beibehalten, jedoch unter Einfluss der so genannten Neuen Medien verändert werden. Auf der anderen Seite werden neue Medien eingeführt die unter Einfluss der alten Medien moduliert werden.
Ein Unterschied zwischen diesen beiden Arten von Medien ist beim Verfassen von Texten zu finden. Eine Website erfordert eine Portionierung der Inhalte. Texte sollten medienadäquat geschrieben werden, d.h. kurz und bündig, präzise, auf das Wesentliche konzentriert und „an den Enden offen“ um die Möglichkeiten für weitere Vernetzungen zu bieten. Eine Texteinheit sollte nicht aus mehr als 1500 Zeichen bestehen.
Außerdem werden Module als informationelle Einheit oft erst dann sinnvoll, wenn sie mit anderen Modulen zu Netzwerken informationeller Einheiten verwoben und verknüpft werden.
Traditionelle und Neue Medien beeinflussen sich gegenseitig und erleichtern damit den gleichzeitigen Umgang mit dem traditionellen wie dem neuen System. Es kristallisiert sich die Tendenz heraus denselben Wissensbestand sowohl mit Hilfe der alten wie der der neuen Medien zu publizieren. Dieses sogenannte „backing“ beweist, dass beide Arten der Medien inzwischen aufeinander angewiesen sind.

Chancen:
Unter diesem Punkt ist eine Systemtransformation zu verstehen, die Transformation der Geschichtswissenschaft als institutionalisiertes System Hier wird dies mit Beobachtungsfeldern beschrieben:
1. Verflüssigung und Beschleunigung der Kommunikation: Das Web ermöglicht eine viel schnellere Suche nach Informationen aller Art. Auch die Zuverfügungstellung, die Rezeption, die Verarbeitung von wissenschaftlichem Wissen beschleunigt sich. Noch wird nicht das ganze Leistungsvermögen des Web genutzt, denn viele wissenschaftliche Informationen entsprechen noch nicht den Anforderungen der Quellenkritik, der Überprüfbarkeit und der Verlässlichkeit. Aber es ist eine Tendenz der Besserung hinsichtlich zu beobachten.
2. Forschung in einem Netz-basierenten System: Da das Web nicht „begrenzt“ ist, fallen hier viele Hürden. Das Forschen im internationalen Kontext ist hier besonders attraktiv. Dies ist aber nur dann sinnvoll, wenn die Geschichtswissenschaft Qualitätsstandards setzt und durchsetzt und wenn sie die Inhalte schafft. Denn durch das Web wird auch die missbräuchliche Verwendung wissenschaftlicher Ergebnisse weniger kontrollierbar.
3. Multimedialität: In den letzten Jahren wurden neben den Text- oder schriftlichen Quellen neue Quellenarten attraktiv, die ikonografischen Quellen. Die Analyse von Fotografien, Filmen und Videos finden im Web einen sehr hohen Stellenwert, da sie in die Websites mit eingebaut werden können und man dadurch verschiedene Quellentypen gleichzeitig nutzen kann.
4. Interdisziplinarität: Auch in diesem Punkt bietet das Web eine wesentliche Erleichterung, denn durch das schnellere Arbeiten und Verknüpfen wird das Forschen in anderen Disziplinen bzw. Bereichen erheblich erleichtert. Zusammenhänge sind leichter aufzuzeigen. Leider setzt sich dieser Trend bis jetzt aber eher langsam durch.
5. E-Learning: Ein weiterer Trend der Geschichtswissenscahft, besonders in der Lehre ist das E-Learning. Vorzugsweise wird momentan an den Universitäten das sogenannte „blended learning“ betrieben, hier handelt es sich um eine Mischung aus Präsenz- und Online-Lehre. Die Lehre im Internet kann mittels einer Lernplattform oder in Gestalt der internetgestützten Lehre stattfinden. Es erhöht grundsätzlich den Anteil kommunikativer Operationen und fördert das selbstgesteuerte Lernen. Außerdem ermöglicht diese Art von Unterricht den Zugang von größeren Studierendengruppen. Ein weiterer Vorteil ist ebenfalls, dass man das Studium von zu Hause aus betreiben kann, man ist örtlich nicht mehr an eine Unterrichtsinstitution gebunden.
6. Technik: Bei der Erstellung einer Website hat bis jetzt die HTML-Software dominiert. Allmählich setzt sich jedoch das Content Management System (CMS) durch. Momentan sind diese CMS-Lösungen die Zukunft, da sie die Arbeit im Teamwork stark fördern.

Visionen:
1991 wurde das Internet von Tim Berners-Lee erfunden, 1995 ließ Papst Johannes Paul II. die erste Website des Vatikans freischalten. Spätestens ab diesem Zeitpunkt ist vom Internet in der Kulturgeschichte von einer Medienrevolution zu sprechen. Bisherige Forschungskomponenten lösen sich im WWW auf. Die Gebundenheit an fixe Orte oder Umfeldern ist nicht mehr gegeben. Dies ermöglicht eine Veränderung der Geschichtswissenschaften. Es ergibt sich ein neues Beziehungssystem, das aus den Komponenten Netzwerk-Zivilisation, Konzeptualisierung der Geschichtswissenschaften als Wissenschaft geschichtlicher Kohärenzen im Netzwerk und ihrer Zeitschichten, Web als Netzwerkmedium und dem hypertextuellem, fluidem, volantilem Individuum besteht. Viele neue Möglichkeiten werden sich eröffnen, z.B. Geschichte als Webgame. Auch die historische Wissenschaft muss mit der Zeit gehen und sich der rasanten Entwicklung, die momentan in allen Lebensbereichen vorherrscht, anpassen.
Schmale - 17. Jan, 16:32

Kommentar Schmale

Es fehlen Ihre eigenen Reflexionen, die mich natürlich sehr interessiert hätten! Vielleicht haben Sie irgendwann ein Minütchen, um das noch nachzuliefern...
Die Zusammenfassung folgt getreu dem Text; von mir aus können Sie mehr mit eigenen Worten formulieren und brauchen sich nicht so eng an die Textvorlage anlehnen.

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